Private Krankenversicherung | NET-SHG

Der Abschluss einer deutschen Krankenversicherung ist für alle Menschen mit dauerhaftem Wohnsitz in Deutschland seit dem Jahre 2009 obligatorisch. Diese Verpflichtung gilt sowohl für Angestellte als auch für alle selbstständig Tätigen.

Private Krankenversicherung für Arbeitnehmer

Als Angestellter in einem Unternehmen muss man sich nicht selbst um den Abschluss einer Krankenversicherung kümmern. Fast alle erforderlichen Formalitäten erledigt der Arbeitgeber. Die Mitarbeiter können und müssen lediglich entscheiden, bei welcher Krankenkasse sie versichert sein wollen. Die Kosten für die Krankenversicherung werden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt, wobei der Arbeitgeber derzeit (2018) etwas höhere Beiträge leistet als der Arbeitnehmer. Die Kosten, die der Arbeitnehmer zu tragen hat, werden auf der Lohnabrechnung regelmäßig für den Berechnungszeitraum ausgewiesen und automatisch von Bruttolohn des Arbeitnehmers abgezogen.

In Deutschland besteht wie in den meisten Industrieländern die Möglichkeit, sich für den Krankheitsfall nicht nur gesetzlich, sondern auch privat abzusichern. Grundsätzlich gibt es in Deutschland also zwei Systeme der Krankenversicherung: die gesetzliche Versicherung und die private Krankenversicherung. In dem folgenden Artikel werden wir uns mit der privaten Krankenversicherung eingehend beschäftigen.

Der größte Anbieter einer privaten Krankenversicherung war im Jahre 2017 die Debeba mit über 2 Millionen Versicherten, gefolgt von der Deutsche Krankenversicherung mit über 800.000 Versicherten und der Axa mit knapp 800.000 Mitgliedern.

Die Vorteile einer Privaten Krankenversicherung

Eine private Krankenversicherung bietet ihren Kunden zahlreiche Vorteile gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung:
– Eine Private Krankenversicherung bietet ihren Kunden viel individuelle Auswahl.
– Privat versicherte Patienten erhalten eine bevorzugte Behandlung und erhalten Termine meist schneller.
– Privat versicherte Patienten erhalten stets, was medizinisch notwendig ist.
– Privat versicherte Patienten unterliegen keinen Budgetbeschränkungen, wie sie in der gesetzlichen Krankenversicherung vorhanden sind.
– Medizinischer Fortschritt und medizinische Innovationen werden privat versicherten Patienten schneller zur Verfügung gestellt als bei der gesetzlichen Krankenversicherung.
– Privat versicherte Patienten genießen insgesamt die bestmögliche Versorgung und zahlreiche Dienstleistungen.

Eine private Krankenversicherung bietet mindestens die gleichen, fast immer jedoch weitaus bessere, also qualitativ hochwertigere Leistungen an als die gesetzliche Krankenversicherung. Zudem sind die von den Versicherten zu zahlenden Tarife in Form der monatlichen Beiträge fast immer geringer. Für eine private Krankenversicherung wird die Prämie zu Beginn des Versicherungsverhältnisses nicht nach dem Einkommen, sondern vielmehr nach dem persönlichen Krankheitsrisiko (abhängig unter anderem von Lebensalter, dem ausgeübten Beruf, dem Gesundheitsstatus) und dem vom Versicherungswilligen gewünschten Versicherungsumfang berechnet. Zur Berechnung des Risikos muss der Versicherungsinteressent einen Fragebogen ausfüllen. Wenn der Versicherungswillige beispielsweise an Allergien leidet oder eine Extremsportart wie Fallschirmspringen ausübt, werden die monatlichen Beiträge deutlich höher sein als bei einem Interessenten, der absolut gesund ist. Keine gute Idee ist es, beim Ausfüllen des Fragebogen zu flunkern. Die Angabem werden zwar in der Regel nicht durch eine Untersuchung überprüft, doch wenn nachträglich herauskommt, dass der Versicherungswillige relevante Angaben verschwiegen hat, kann die private Krankenversicherung später Regressforderungen gegenüber dem Versicherungsnehmer erheben.

Insbesondere für jüngere Versicherte und Singles lohnt sich es also, zu prüfen, ob sich der Wechsel in eine private Krankenversicherung lohnt. Eine private Krankenversicherung wird allerdings bei älteren Kunden die Beiträge spürbar ansteigen lassen. Dies wird zumeist mit dem höheren Bedarf an medizinischer Versorgung älterer Menschen begründet, der statistisch gesehen auch nicht von der Hand zu weisen ist. Die privaten Krankenversicherungen vertreten allerdings auch die Auffassung, dass diese höhere monatliche finanzielle Belastung für die bei ihr Versicherten grundsätzlich kein Problem darstellt, da mit höherem Lebensalter in der Regel auch das Einkommen ansteigt und somit die höheren Ausgaben von den Betreffenden leicht aufgefangen werden können.

Um sich bei einer privaten Krankenversicherung voll versichern zu können, müssen seitens des Versicherungspflichtigen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

Privat krankenvollversichern können sich alle Personen, die nicht nach § 5 SGB V in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind. Dies sind in der Regel Beamte, Richter sowie andere Personen, die Anspruch auf so genannte Beihilfe haben. Aber auch Selbstständige und Freiberufler gehören zu den berechtigten Personen. Für Angestellte, Arbeiter, Künstler in freien Berufen sowie Journalisten gilt eine jährliche Einkommensgrenze von 59.400 EUR brutto, die überschritten werden muss, um sich privat versichern zu können. Das monatliche Gehalt beispielsweise eines Versicherungspflichtigen muss also mehr als 4.950 EUR brutto betragen. Dies gilt für den Fall, dass der Versicherungspflichtige angestellt ist. Auch Personen, die über kein eigenes Einkommen verfügen oder mit ihrem Einkommen unter der Geringfügigkeitsgrenze liegen, können privat versichert werden. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise Ehepartner oder Partner in privilegierten gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder Kinder von privat versicherten Personen.
Die vorstehenden Einschränkungen gelten jedoch nur für den Fall einer privaten Krankenversicherung, die vollumfänglich gelten soll. Eine private Krankenzusatzversicherung ist in vielen Fällen sinnvoll und unterliegt nicht den oben beschriebenen Bestimmungen. Vielmehr kann jeder eine private Zusatzversicherung abschließen, der gesetzlich versichert ist und den Leistungsumfang seiner Krankenkasse abhängig von seinen Bedürfnissen individuell aufstocken und somit verbessern möchte.

Es gibt in Deutschland rund 40 private Krankenversicherungen. Die monatliche Prämie, die der Versicherte zu zahlen hat, basiert auf der Art des gewählten Tarifs und den damit verbundenen Leistungen. Auch das Eintrittsalter und die Vorerkrankungen können die monatliche Prämie beeinflussen. Wenn Sie als Patient einen nachweislich gesunden und kostenbewussten Lebensstil führen, erhalten Sie bei den meisten Anbietern sogar eine Rückerstattung am Ende des Abrechnungszeitraums. Sie sehen also, gesund zu leben lohnt sich gleich in mehrfacher Hinsicht.
Wie funktioniert die Abrechnung bei einer privaten Krankenversicherung?
Nach der Behandlung beim Arzt bekommt der Versicherte eine Rechnung vom behandelnden Arzt. Der Arzt hat alternativ die Möglichkeit, die Rechnung über eine Verrechnungsstelle ausstellen lassen, sofern der Versicherte dieser Abrechnungsart zustimmt. Für den Versicherten bleibt das Ergebnis das gleiche. Der Versicherte reicht die Rechnung für die Behandlung, ebenso wie Rechnungen für Medikamente bei seiner privaten Krankenversicherung ein. Nachdem die Kosten von der privaten Krankenversicherung geprüft wurden, erhält der Versicherte seine Auslagen von der Versicherung zurück. Was von den Kosten im einzelnen anerkannt wird, hängt dabei von dem Tarif ab, den der Versicherte gewählt und mit seiner privaten Krankenversicherung vereinbart hat.

Rückerstattung von Monatsbeiträgen

Bezüglich der Rückerstattung von bereits gezahlten Monatsbeiträgen gibt es drei unterschiedliche Systeme:
Unter dem Begriff Beitragsrückerstattung versteht man die teilweise Erstattung von bereits gezahlten Monatsbeiträgen. Eine Beitragsrückerstattung wird gewährt, wenn der Versicherte, abhängig vom Versicherungsanbieter, über einen gewissen Zeitraum keine Leistungen in Anspruch genommen hat. Für die Rückerstattung kommen je nach Versicherer drei unterschiedliche Grundlagen in Betracht, wobei Kombinationen auftreten können, auch müssen nicht alle Faktoren vom Versicherer notwendigerweise berücksichtigt werden.
– Erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung – Die erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung wird je nach erzieltem Geschäftserfolg des Versicherers in ihrer Höhe jährlich neu bestimmt. Sie ist in jedem Fall eine freiwillige Leistung des Versicherers.
– Leistungsfreiheitsrabatt: Der Leistungsfreiheitsrabatt funktioniert so ähnlich wie der Schadenfreiheitsrabatt, den Sie aus Ihrer Kfz-Versicherung kennen. Wenn Sie über einen bestimmten Zeitraum keine Leistungen Ihrer privaten Krankenversicherung (außer Vorsorgeuntersuchungen) in Anspruch genommen haben, bieten bestimmte Versicherer einen Rabatt, der von Jahr zu Jahr ansteigt. Auf diese Weise können Sie bis zu der Hälfte Ihres regulären Beitrags sparen. Der Leistungsfreiheitsrabatt steigt genau wie in der Kfz-Versicherung aber nur recht langsam und es dauert schon ein paar Jahre, bis man als Versicherter den maximalen Leistungsfreiheitsrabatt genießen kann. Der Leistungsfreiheitsrabatt ist eine in den Vertragsbedingungen des Versicherers festgeschriebene und somit vertraglich garantierte Leistung.

– Pauschalleistung: Einige private Versicherer bieten neben der üblichen erfolgsabhängigen Beitragsrückerstattung ihren Kunden zusätzlich noch eine vertraglich garantierte Pauschalleistung an, sofern die Versicherer keine Leistungen übernehmen mussten. Die Höhe der Pauschalleistung kann bei einigen Versicherern je nach Länge der Leistungsfreiheit bis auf sechs Monatsbeiträge ansteigen. Im Gegensatz zur regulären Beitragsrückerstattung wird die Pauschalleistung jedoch unabhängig vom Geschäftserfolg des Versicherers ausbezahlt.
Eine Beitragsrückerstattung wird von den Versicherern nicht nur als Anreiz für die Kunden durchgeführt, um diese möglichst langfristig zu behalten. Ein anderer Grund für die Beitragsrückerstattung ist, Gewinne zu vermeiden. Die Rechtsform eines so genannten „Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit“ (VVaG) bietet Beitragsrückerstattungen als einzige Form der Ausschüttung von Überschüssen an. Vor diesem Prinzip profitieren beide – sowohl die private Krankenversicherung als auch Sie als deren Kunde!
Immer wieder ist zu hören, dass Menschen, die sich einmal privat krankenversichert haben, angeblich nie wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren könnten. Doch unter ganz bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, als vollwertiges Mitglied in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren.
So nimmt die gesetzliche Krankenversicherung nach derzeit geltendem Recht ehemals privat krankenversicherte Personen dann wieder auf, wenn diese wieder werden. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Arbeitnehmer seine Versicherungspflichtgrenze unterschreitet oder wenn er arbeitslos wird. Weitere Möglichkeiten sind, dass Kinder ein Studium oder eine betrieblichen Berufsausbildung beginnen. Die genauen Bestimmungen, wann eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung möglich ist, sind im Fünften Buch des Sozialgesetzbuches (SGB V) geregelt.

Falls Sie sich für den Eintritt in eine private Krankenversicherung interessieren, ist es hilfreich, sich an einen professionellen Berater zu wenden, Er kennt die besten auf Ihre spezielle Situation abgestimmten Tarife und wird Sie individuell beraten, welche Leistungen oder Zusatzleistungen für Sie sinnvoll sind. Auch sollten Sie, wenn Sie als Angestellter in einem Unternehmen tätig sind, alsbald Kontakt mit der Personalabteilung Ihres Unternehmens Kontakt aufnehmen und diese über Ihren Wunsch, sich privat zu versichern, informieren. Damit vermeiden Sie mögliche Missverständnisse. Wenn Sie zu lange mit den Informationen warten, kann es aufgrund der Versicherungspflicht vorkommen, dass Sie unfreiwillig in der gesetzlichen Versicherung landen. Denn das Unternehmen, das Sie beschäftigt, ist vom Gesetzgeber her dazu verpflichtet, Sie zu versichern.