Allgemeine Informationen zu klinischen Studien
Roswitha Bussar-Maatz und Viola Andresen
Koordinierungszentrum für Klinische Studien
KKS-Charité
22. November 2003
Was ist eine Klinische Studie?
Unermüdliche Forschungsaktivitäten erweitern stetig die medizinischen Erkenntnisse,
eröffnen neue therapeutische Möglichkeiten und erhöhen Behandlungserfolge und
Heilungschancen von schweren Krankheiten. Für diesen Fortschritt sind klinische Studien
unverzichtbar. In ihnen werden z.B. neue Medikamente oder andere neue therapeutische
Maßnahmen, aber auch altbewährte Behandlungen z.B. in veränderter Anwendung unter
streng kontrollierten Bedingungen und unter Wahrung einer höchstmöglichen Sicherheit
für die Studienteilnehmer geprüft.
Durch klinische Studien wird grundsätzlich eine Verbesserung der medizinischen
Versorgung angestrebt, was sich von einer Optimierung bestehender Behandlungsmethoden und
Entwicklungen neuer Arzneimittel über die Evaluierung und Fortentwicklung bestehender und
neuer diagnostischer Verfahren bis hin zur Erforschung von Krankheitsmechanismen und
Ermittlung von Risikofaktoren erstreckt.
Welche Arten von Klinischen Studien gibt es?
Den größten Umfang im Bereich der klinischen Forschung nimmt die Überprüfung
bewährter und neuer medikamentöser Therapien ein. Hierbei werden grundsätzlich zwei
verschiedene Studienformen unterschieden. Die so genannten Therapieoptimierungsstudien
untersuchen bereits zugelassene Behandlungsformen in veränderter Darreichungsform (z.B.
andere Dosis, andere Begleittherapie, o.ä.) mit dem Ziel, die Wirksamkeit,
Verträglichkeit der Therapiestrategien zu verbessern.
Neu entwickelte Arzneimittel müssen in großen, zumeist internationalen klinischen
Studien ihre Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit nachweisen, um von den Behörden
als verkäufliches Medikament zugelassen zu werden. Solche so genannten Zulassungsstudien
werden üblicherweise von dem Pharmazeutischen Unternehmen durchgeführt, welches die neue
Substanz entwickelt hat. Je nach Stadium der Substanzentwicklung unterteilt man klinische
Studien in die Phasen I-IV.
Üblicherweise wird in Zulassungsstudien das neue Medikament direkt mit der derzeit
für die jeweilige Erkrankung etablierten Therapie verglichen. Wenn allerdings bisher
keine wirksame Therapie bekannt ist, wird das Medikament gegen ein Scheinmedikament, das
sog. Plazebo, getestet. Um äußere Einflussmöglichkeiten auf die Studienergebnisse
möglichst gering zu halten, werden die Patienten in der Regel zufällig, also durch Randomisation,
den jeweiligen Therapiegruppen zugeteilt, und häufig sind die Studien so konzipiert, daß
weder der behandelnde Arzt noch der Patient wissen, welcher Therapiegruppe der Patient
zugeteilt worden ist. Diese Studien nennt man doppelblind.
Welche Institutionen sind an Klinischen Studien beteiligt?
Klinische Studien müssen grundsätzlich durch verschiedene fachliche, rechtliche und
ethische Behörden und Kommissionen geprüft, genehmigt und im weiteren Verlauf
kontrolliert werden. Auf diese Weise soll eine höchstmögliche Sicherheit für die
Studienteilnehmer gewährleistet werden. Zudem werden Patientenversicherungen für
studienspezifische Belange abgeschlossen.
Hinweise für Patienten
Jede Teilnahme an einer Klinischen Studie ist grundsätzlich freiwillig und kann
jederzeit ohne Angabe von Gründen beendet werden. Vor Studienbeginn erfolgt eine
ausführliche Aufklärung durch den Studienarzt, in der Nutzen und Risiko verständlich
erklärt werden. Während des Studienverlaufes werden Patienten in der Regel engmaschig
und intensiv betreut, und der Studienarzt steht jederzeit als Ansprechpartner zur
Verfügung.
Vorteile für Patienten
Im Rahmen von klinischen Studien erhalten Patienten die derzeit beste Therapie. Die
neue Behandlung verspricht darüber hinaus einen zusätzlichen Nutzen. Die medizinische
und ethische Unbedenklichkeit ist durch unabhängige Gremien gesichert, und der zu
erwartende Nutzen der Studientherapie ist höher als das potentielle Risiko. Zudem
erfahren Patienten im Rahmen einer Studienteilnahme eine ganz besonders intensive
medizinische Betreuung. Der Patient erhält außerdem die Möglichkeit, von neuen
Therapieformen zu profitieren, die außerhalb von klinischen Studien gar nicht verfügbar
sind.
Patienten, die an klinischen Studien teilnehmen, leisten also nicht nur einen
entscheidenden Beitrag am medizinischen Fortschritt zum Wohle aller, sondern sie haben
auch ganz individuell die Chance, von einer neuen und verbesserten Behandlungsform zu
profitieren. |