Medizinisch-wissenschaftlicher Beirat

Prof. Dr. med. Richard P. BaumProf. Dr. med. Baum

Zentralklinik Bad Berka
Klinik für Nuklearmedizin / PET-Zentrum
Robert-Koch-Allee 9
99437 Bad Berka
Telefon: (0364) 5 85 - 22 00
Fax: (0364) 5 85 - 35 15
E-Mail: info@rpbaum.de
Internet:
www.rpbaum.de www.zentralklinik-bad-berka.de
http://www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/cms/zbb/deu/3310.html

 

Biographie:

  Geboren 1954 in Pirmasens
1974 - 1980
Studium der Humanmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
1980
Ärztliche Approbation
1980
Beginn Facharztausbildung Innere Medizin
1981
Wissenschaftlicher Assistent in der Abteilung für Nuklearmedizin am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
1982
Facharzt für Nuklearmedizin, Ernennung zum Oberarzt und Stv. Leiter
April 1990
Habilitation für das Fach Nuklearmedizin, Fachbereich Humanmedizin der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Auszeichnung mit dem Mallinckrodt-Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin
Präsident der europäischen Research Group in Immunoscintigraphy and Immunotherapy (IRIST)
Juni 1990
Verleihung der akademischen Bezeichnung Privatdozent, Lehrbefugnis
1993
Forschungsaufenthalte an amerikanischen PET-Zentren
1994
Leiter der PET-Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Frankfurt am Main
1995
Ernennung zum Außerplanmäßigen Professor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Oktober 1997
Chefarzt der Klinik für Nuklearmedizin/PET-Zentrum, Zentralklinik Bad Berka GmbH, Bad Berka. Neuaufbau eines PET-Zentrums und der Klinik für Nuklearmedizin (einschl. nuklearmedizinischer Therapiestation)
Dezember 1999
Sarabhai Memorial Oration 1999 - höchste Auszeichnung der Indian Society of Nuclear Medicine (für die wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Immunszintigraphie und Radioimmuntherapie)
Oktober 2000
Gastprofessur an der Technischen Universität Ilmenau - Fakultät für Informatik und Automatisierung (Bildgebende Systeme in der Medizin)
April 2001
British Nuclear Medicine Society Annual Lecture 2001 (Brighton/UK): "Clinical Application of PET In Oncology"
September 2002
Berufung in das EANM PET Institute (EPI) der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin

 

Kurzabriß über die Tätigkeit von Prof. Dr. Baum im Fachgebiet Nuklearmedizin und die Behandlung von Tumoren mit Radionukliden:

Prof. Baum ist Facharzt für Nuklearmedizin und Chefarzt der Klinik für Nuklearmedizin und des PET-Zentrums der Zentralklinik Bad Berka - in der Nähe von Weimar gelegen - sowie Professor für Nuklearmedizin mit Lehr- und Forschungstätigkeit am Klinikum der Universität Frankfurt am Main. Er ist u. a. Mitglied der EORTC (europäische Krebsorganisation) und als Berater tätig für die WHO, die IAEA (internationale Atomenergiebehörde), das Paul-Ehrlich-Institut und die EMEA (europäische Arzneimittelbehörde). Er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Fachgesellschaften und im Editorial Board mehrerer medizinischer Fachzeitschriften.

Seine Publikationsliste umfasst über 100 Originalarbeiten, er ist Autor und Mitherausgeber mehrerer Fachbücher, Verfasser mehrerer Handbuchartikel und wurde weltweit zu zahlreichen wissenschaftlichen Vorträgen eingeladen.

Seine klinischen und wissenschaftlichen Arbeitsgebiete betreffen vor allem die nuklear-medizinische Diagnostik und Therapie von Tumoren sowie von kardiovaskulären Erkrankungen (z.B. koronare Herzkrankheit), renalen (Nierenkrankheiten) und neuromedizinischen Erkrankungen (u.a. Hirntumordiagnostik und Therapie).

Besonders intensiv hat er sich mit kolorektalen Tumoren (Darmkrebs), Lungenkarzinomen, Ovarial- und Brustkrebs sowie mit Schilddrüsenkarzinomen und neuroendokrinen Tumoren beschäftigt. Prof. Baum begann mit seiner Frankfurter Arbeitsgruppe bereits 1984, die Radio-Rezeptor-Therapie mit Iod-131 MIBG zur Behandlung bestimmter Tumoren (z.B. maligner Phäochromozytome oder Neuroblastome sowie Paragangliome) einzusetzen.
Die erste Radioimmuntherapie in Deutschland wurde von ihm und seiner Arbeitsgruppe schon 1985 durchgeführt, die erste Radiorezeptortherapie mit Yttrium-90 DOTATOC zur Behandlung eines neuroendokrinen Tumors bereits 1997.
Die nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie mit sogenannten offenen radioaktiven Substanzen beruht darauf, dass bestimmte spezifische Stoffwechselvorgänge oder Zelleigenschaften gezielt ausgenutzt werden.
Am bekanntesten ist die Behandlung von Schilddrüsenüberfunktionen und Schilddrüsenkarzinomen mit radioaktiven Iod (Radio-Iodtherapie), welche bereits seit 60 Jahren etabliert ist. Hierbei wird die Fähigkeit der Schilddrüsenzellen und auch der sogen. Differenzierten Schilddrüsenkarzinomzellen genutzt, Yod spezifisch aufzunehmen und zu verstoffwechseln, eine Eigenschaft, die keine andere Körperzelle besitzt. Mit der Radio-Iodtherapie können auch metastasierte Schilddrüsenkarzinome ohne wesentliche Nebenwirkungen für den Patienten geheilt (!!) werden, ein Erfolg, von dem man sonst in der Tumortherapie oft nur träumen kann.

Das Vorhandensein spezifischer Ankerstellen, sog. Rezeptoren auf der Zelloberfläche von Tumoren ermöglicht es, dass sich bestimmte Substanzen (sog. Rezeptorliganden) passgenau an diese Ankerstellen anlagern (so etwa wie ein Schlüssel nur in ein ganz bestimmtes Schloss passt).
Einer dieser Ankerstellen ist der Somatostatinrezeptor, an den sich als Ligand spezifisch das Somatostatin (ein Gegenspieler zum Wachstumshormon) anlagert. Das Somatostatin ist ein kleines Eiweißmolekül (Peptid), welches mit radioaktiven Strahlern, sogen. Isotopen, markiert werden kann und das nach intravenöser Injektion dann von außen mittels spezieller Aufnahmesysteme (Gammakameras oder PET Scannern) nachzuweisen ist. Bindet man einen therapeutischen Strahler, wie den Betastrahler Yttrium-90, an das Peptid, dann kann man damit Tumoren "von innen" bestrahlen, da sich das Radiopharmazeutikum spezifisch im Tumor anreichert.

Die nuklearmedizinische Therapie ist seit Jahrzehnten bekannt und und im klinischen Routineeinsatz. Weltweit wuden Millionen Patienten erfolgreich mit Radionukliden behandelt. Auch die Radio-Rezeptor-Therapie (RRT) wird seit nahezu 20 Jahren von Nuklearmedizinern durchgeführt , es bestehen somit umfangreiche Erfahrungen in der Indikationsstellung und in der Erfolgskontrolle.
Neu bei der RRT mit Y-90 markierten Abkömmlingen (Analoga) des Somatostatins ist lediglich die Substanz, die zur Therapie verwendet wird, nicht das Verfahren an sich. Vergleichbar ist dies etwa mit der Arbeit eines Chirurgen, der ein neuartiges Skalpell zur Operation verwendet, mit dem er noch persönliche Erfahrungen sammelt (deswegen muß er aber nicht den Beruf des Chirurgen neu erlernen oder sich das Operationsverfahren erneut aneignen!).

Insofern ist die Behauptung mancher Bedenkenträger im Gesundheitssystem, dass es sich bei der RRT um ein grundsätzlich neues Verfahren handelt, nicht korrekt.

Richtig ist vielmehr, dass es zwingend notwendig ist, weitere Erfahrungen zu sammeln und vor allem interdisziplinär, d. h. durch enge Zusammenarbeit der verschiedenen Spezialisten zum richtigen Zeitpunkt die richtige Therapie anzuwenden. Für die neuroendokrinen Tumoren gilt dies in besonderem Maße: Bei der Diagnosestellung und der Entfernung des Primärtumors sind vor allem der jeweilige Organspezialist (meist Internisten, der Pathologe und der Chirurg) gefragt.

Hiernach sollte zur Ausbreitungsdiagnostik (Staging) bereits der Nuklearmediziner mit einbezogen werden, da die Somatostatin-Szintigraphie das empfindlichste und spezifischste Verfahren darstellt, um Absiedlungen (Metastasen) mit einer Ganzkörperuntersuchung nachzuweisen.

Als Verfahren werden hierbei die Szintigraphie (Emissions-Computertomographie, ECT) oder die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit markierten Somatostatin-Analoga als extrem genaue Verfahren eingesetzt. Werden Metastasen nachgewiesen, muss entschieden werden, ob eine nochmalige Operation ("Debulking") bei vereinzelten Herden in Frage kommt, oder ob eine biologische Therapie (z.B. mit Sandostatin, einem nicht radioaktiv markierten Abkömmling des Somatostatins evtl. kombiniert mit Alpha-Interferon), eine Chemotherapie oder eine regionale Behandlungsmethode (z.B. Chemoembolisation von Lebermetastasen, Radiofrequenzablation oder LITT) oder eine RRT die zu einem bestimmten Zeitpunkt beste Therapie darstellt.

Bei Vorliegen multipler Metastasen gibt es derzeit kein einzelnes Therapieverfahren, welches die Krankheit bei jedem Patienten definitiv heilen kann. Es kommt daher besonders darauf an, die Therapie auszuwählen, die maßgeschneidert und individuell für jeden einzelnen Patienten einen bestmöglichen Erfolg mit möglichst geringen Nebenwirkungen und guter Lebensqualität garantiert. Behandlungen mit Y-90 markierten Somatostatin-Analoga (u.a. DOTATOC) an mehreren europäischen Universitätskliniken und onkologischen Zentren (z.B. Basel, Mailand, Rotterdam, Brüssel, Wien, London, Bad Berka u.a.) haben in den letzten 5 Jahren bei inzwischen 1000 behandelten Patienten gezeigt, dass die RRT ein wirksames Verfahren zur Behandlung von rezeptorpositiven neuroendokrinen Tumoren darstellt. So kam es am EIO in Mailand bei nahezu einem Drittel der behandelten Patienten zu einer partiellen oder kompletten Tumorrückbildung, in Basel bei 50 % der Patienten zu einer Stabilisierung (stable disease) der Erkrankung und bei 80 % der Patienten zu einer Besserung der Krankheitssymptome.

Bei Einhaltung entsprechender Maßnahmen ("Nierenschutz" mit Aminosäureinfusionen) traten keine oder nur geringe, meist voll reversible Nebenwirkungen auf. Es bleibt zu hoffen, dass nach Abschluss der laufenden Studien baldmöglichst eine europäische Zulassung bei der EMEA ("orphan drug indication") erfolgt und damit der Status des "Heilversuchs", wie derzeit die Therapie in Deutschland noch bezeichnet werden muss, aufgehoben wird.
Weitere Langzeitbeobachtungen müssen helfen, die noch ausstehenden Fragen zu klären, z.B., ob durch die RRT eine deutliche Kosteneinsparung im Gesundheitswesen möglich ist, da die Gesamtkosten für die Behandlung deutlich niedriger sind als z.B. die Ausgaben für die monatliche Therapie mit langwirkenden Somatostatinanaloga; Gleichzeitig der Effekt auf das Tumorwachstum durch die RRT erheblich größer.Zu klären ist auch, inwiefern der frühe Einsatz der RRT bei kleinen Tumoren die Wirksamkeit noch erhöhen kann.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die nuklearmedizinische Diagnostik und Behandlung von Tumoren mit Radionukliden seit Jahrzehnten etabliert ist, und dass vor allem in der Therapie von neuroendokrinen Tumoren in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt wurden. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Wahl der richtigen Therapie zum richtigen Zeitpunkt, und eine individuell maßgeschneiderte Behandlung können sicherlich dazu beitragen, künftig die Prognose von Patienten mit neuroendokrinen Tumoren zu verbessern.

Bad Berka, den 17. März 2003

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