GEP-Tumoren
Alternative Bezeichnungen: Karzinoid, Apudom, Neuroendokriner Tumor, Neuroendokrines Karzinom. Wir werden hier den Ausdruck GEP-Tumoren verwenden.
Hinweis: Die folgenden Informationen wurden mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. med. Rudolf Arnold aus der Patientenbroschüre GEP-Tumoren der Novartis Pharma GmbH entnommen. Diese Broschüre kann auch kostenfrei über die BS-NET, Tel. (030) 41 99 48 04 angefordert werden.
Mit dem Kürzel GEP werden in der medizinischen Fachsprache die hormonproduzierenden Gastro-Entero-Pankreatischen
Tumoren bezeichnet.
Die drei Buchstaben stehen für die Organe bzw. die Orte, an denen diese Tumoren sich am
häufigsten entwickeln:
| Gastro | = | Magen |
| Entero | = | Darm |
| Pankreas | = | Bauchspeicheldrüse |
GEP-Tumoren sind selten. Pro Jahr werden etwa 5 bis 10 neue Tumoren pro 1.000.000
Einwohner registriert - in der Bundesrepublik also nur 400 bis 800 neue Fälle pro Jahr.
Die GEP-Tumoren entwickeln sich aus hormonproduzierenden (endokrinen) Zellen, die überall
im Verdauungssystem vorkommen und die Aufgabe haben, bestimmte Stoffe zu produzieren, die
den Verdauungsprozess steuern.
Von ihrer Herkunft her gehören diese Zellen zum Nervensystem und von ihrer
Ausscheidungsfunktion her zu den inneren Drüsen. Daher werden sie neuroendokrine Zellen
genannt.
Die GEP-Tumoren, die sich aus solchen Zellen entwickeln, werden dementsprechend auch
als neuroendokrine Tumoren (abgekürzt NET) bezeichnet.
Ungefähr zwei Drittel der GEP-Tumoren sind funktionell inaktiv, d.h. sie schütten keine
Hormone aus, obgleich sie Hormone oder andere Stoffe enthalten, die für endokrine Zellen
typisch sind. Sie sind im Allgemeinen sehr klein und wachsen sehr langsam. Sie verursachen
über längere Zeit kaum Beschwerden.
Erst wenn ihr Wachstum weit fortgeschritten ist, kann es durch die Verdrängung
benachbarter Organe oder Gewebestrukturen zu Beschwerden kommen. Weil die typischen
Symptome fehlen, kann eine Diagnose oft erst lange Zeit, Jahre oder Jahrzehnte nach
Entstehung dieser Tumoren gestellt werden.
Etwa ein Drittel der GEP-Tumoren setzt aufgrund der Entwicklung aus
hormonproduzierenden Zellen Hormone oder Hormon-ähnliche Stoffe frei.
Man unterscheidet zuerst zwischen hormonbildenden Tumoren der Bauchspeicheldrüse
(Pankreas) und hormonbildenden Tumoren des Magen-Darm-Traktes, - letztere werden auch
Karzinoide genannt.
Je nachdem, welches Hormon ein derartiger Tumor produziert, kann er unterschiedliche
Beschwerden verursachen und wird in diesem Zusammenhang auch nach dem gebildeten Hormon
benannt.
Insgesamt teilt man die GEP-Tumoren in drei Gruppen ein:
1. Tumoren, die Hormone freisetzen (funktionell aktiv)
- Gastrinom
- Insulinom
- Glukagonom
- VIPom
- Somatostatinom
- Karzinoid-Syndrom
2. Tumoren, die kein Hormon freisetzen, obgleich sie Hormone enthalten (funktionell inaktiv)
3. Tumoren im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie (= MEN; funktionell aktiv oder inaktiv)
Eine andere Einteilung berücksichtigt den Ort ihrer Entstehung: Vorder-Darm,
Mittel-Darm, Hinter-Darm.
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Das Gastrinom
(Zollinger-Ellison-Syndrom)
Das Gastrinom oder Zollinger-Ellison-Syndrom (benannt nach den zwei Ärzten, die diese Krankheit als erste aus klinischer Sicht beschrieben haben) ist der nächsthäufigste unter den GEP-Tumoren. Viele Gastrinome haben zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung bereits Tochterabsiedlungen (Metastasen) gebildet.
Lokalisation
Die Verteilung Gastrin-produzierender Tumoren (Gastrinome) ist unterschiedlich. Die
meisten (über 40 %) entstehen in der Bauchspeicheldrüse, 15 % im Zwölffingerdarm und etwa
10 % in anderen Organen. Der Nachweis des Tumors ist nicht immer möglich. Bei 30 % der
Patienten mit den für ein Gastrinom typischen Beschwerden gelingt er mit den üblichen
Verfahren nicht.
Symptome
Gastrinome produzieren an erster Stelle Gastrin, ein Hormon, das die
Magensäureausschüttung anregt. Das Ergebnis der Überproduktion von Gastrin ist eine
Übersäuerung des Magens. Folge daraus sind die Bildung von Zwölffingerdarmgeschwüren
und Durchfällen - die Symptome eben, die typisch für das Zollinger-Ellison-Syndrom sind.
Andere Hormone, die ebenfalls in Gastrinomzellen nachgewiesen wurden, scheinen keine
wesentlich ausgeprägten Symptome und Beschwerden zu bedingen.
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Das Insulinom
Lokalisation
Neben dem Gastrinom ist das Insulinom der häufigste hormon-produzierende Tumor der
Bauchspeicheldrüse. Etwa 30 % aller hormonell aktiven Tumoren der Bauchspeicheldrüse sind
Insulinome. Diese Tumoren entstehen fast ausschließlich aus den Insulinproduzierenden
Zellen der Bauchspeicheldrüse und produzieren selbst unkontrolliert Insulin, das Hormon,
das den Zuckerspiegel im Blut steuert. Insulinome sind etwa gleichmäßig zu je einem
Drittel auf Kopf, Mittelteil und Schwanz der Bauchspeicheldrüse verteilt. Nur etwa 1 %
werden außerhalb der Bauchspeicheldrüse und in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft
gefunden.
Symptome und Beschwerden
Die Überproduktion von Insulin senkt den Zuckerspiegel im Blut und verursacht
anhaltende Unterzuckerung. Allerdings sind die bekannten Beschwerden von Unterzuckerung,
wie Mattigkeit, Schwächegefühl, Zittern, Herzklopfen, Schwitzen, Hungergefühl,
Gewichtszunahme und Nervosität bei Insulinom-Patienten oft wenig ausgeprägt. Im
Vordergrund stehen hier Störungen des zentralen Nervensystems wie Kopfschmerzen,
Verwirrung, Sehstörungen, Störungen der Bewegungskoordination und Lähmungen sowie
ausgeprägte Persönlichkeitsstörungen. In einigen wenigen Fällen können sich diese
Symptome bis zur Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen und Koma entwickeln. All diese
Störungen sind auf die Unterzuckerung des Gehirns zurückzuführen (und können auch bei
Unterzuckerung aus anderen Gründen auftreten).
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Das Karzinoid-Syndrom
Lokalisation
Das Karzinoid ist der häufigste GEP-Tumor. Fast 50 % aller GEP-Tumoren sind Karzinoide.
Karzinoide können sich an verschiedenen Stellen des Verdauungssystems entwickeln.
Vorzugsweise sind sie in verschiedenen Abschnitten des Dünndarms lokalisiert. Der
Wurmfortsatz (Appendix), der Magen und der Dickdarm sind weitere bevorzugte
Entstehungsorte. Etwa 10 % der Karzinoide kommen in anderen Organsystemen, z. B. in der
Lunge und im Thymus vor.
inaktive Tumore
Etwa 50 % der Karzinoid-Tumoren sind funktionell inaktiv. Sie setzen keine Hormone frei.
Diese Karzinoide verursachen in der Regel erst spät im Verlauf der Krankheit Beschwerden.
Die Beschwerden - z.B. Bauchschmerzen, Gewichtsverlust oder Gelbsucht - sind
uncharakteristisch. Sie sind auf die Verdrängung benachbarter Organe oder Strukturen
durch den wachsenden Tumor zurückzuführen.
aktive Tumore
Hormonell aktive Karzinoide produzieren dagegen größere Mengen verschiedener Hormone.
Diese Hormone gelangen in die Blutbahn. In den ersten Stadien der Erkrankung entstehen
dadurch keine Beschwerden, weil die Leber diese Tumorhormone zu harmlosen Produkten
abbaut. Wenn die Funktion der Leber aber durch Tochterabsiedlungen (Metastasen) des
ursprünglichen Tumors beeinträchtigt ist, erhöht sich die Konzentration der Hormone im
Blut und es entwickelt sich ein sogenanntes Karzinoid-Syndrom. Die erhöhten
Konzentrationen der verschiedenen Hormone führen dann zu unterschiedlichen Beschwerden.
Tumoren, die für das Karzinoid-Syndrom verantwortlich sind, liegen meist im Dünndarm
(Jejunum, Ileum). Häufig finden sich hier auch mehrere Tumoren.
Symptome und Beschwerden
Die typischen Beschwerden für ein Karzinoid-Syndrom, die einzeln oder gemeinsam
auftreten können, sind:
- Anfallsartige Gesichtsrötung (Flush), die sich manchmal auf den gesamten Oberkörper ausdehnt und zum Teil von Herzklopfen und Schweißausbrüchen begleitet wird
- Krampfartige Bauchschmerzen und Durchfälle
- Herzbeschwerden
- Atembeschwerden
Die Häufigkeit des Auftretens dieser Beschwerden ist unterschiedlich.
Am häufigsten -
d.h. bei über 80 % der Patienten - treten Durchfälle auf. Es folgen Rötung mit etwa 50 %,
Atembeschwerden mit 20% und schwere Atemnot mit 6 %. Herzbeschwerden entwickeln sich
langsam und können zwischen 30 % und 50 % der Patienten mit einem Karzinoid-Syndrom
betreffen.
Nach heutiger Auffassung, die aber noch nicht als sicher gilt, wird die
anfallsartige Gesichtsrötung durch gefäßaktive Stoffe wie Kallikrein, Substanz P und
Neuropeptid K verursacht. Die gleichen Hormone scheinen auch für die Atembeschwerden
verantwortlich zu sein. Durchfälle werden auf die Tumorhormone Serotonin und
Prostaglandin zurückgeführt. Das Serotonin scheint auch die Ursache für die Schädigung
der Herzklappen und die dadurch entstehenden Herzbeschwerden zu sein.
Es treten Bauchschmerzen auf, wenn der oder die Tumoren das Darmlumen verlegen. Viel häufiger sind Bauchschmerzen aber Folge einer Mangeldurchblutung des Darms. Die Karzinoide oder deren Tochtergeschwülste im Bauchnetz setzen nämlich Stoffe frei, welche zu einer Verengung (Sklerose) der Blutgefäße benachbarter Darmabschnitte führen. Der Chirurg findet dann statt eines rosaroten, einen bläulich verfärbten Darm.
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